Im Laufe der Geschichte haben LGBTQIA+-Designer unsere Lebensräume neu gestaltet, indem sie die Art und Weise, wie Möbel sich anfühlen, funktionieren und Identität widerspiegeln, neu überdacht haben. Von den Pionieren der Moderne bis hin zu den mutigen Grenzgängern von heute – diese Kreativen haben Konventionen in Frage gestellt und die Welt der Möbel nachhaltig geprägt.
Adam Nathaniel Furman ist eine führende Stimme des fröhlichen, queeren Maximalismus. Furman setzt sich für Farbe, Ornamentik und das Erzählen von Geschichten als Mittel der Sichtbarkeit und des Selbstausdrucks ein. Ihre Zusammenarbeit mit Gubi aus dem Jahr 2023, der „Scarabesque“-Stuhl, interpretierte den Bestseller „Beetle“-Stuhl neu und verwandelte ihn in ein extravagantes Statement in Form eines Käferthrons – dessen perlmuttfarbene Glasfaserschale und überdimensionale Größe einen neuen, theatralischen Kontext für Sitzmöbel suggerieren. Furmans öffentliche und kommerzielle Installationen lehnen sterilen Minimalismus ab und bieten stattdessen Räume, die lebendig, inklusiv und menschlich sind.


Stuhl „Scarabesque“ für Gubi (rechts) von Adam Nathaniel Furman. Bildquelle: cityam.com.
Faye Toogood hingegen schlägt eine Brücke zwischen Skulptur und Möbel. Ihr „Roly-Poly Chair“, der gleichermaßen verspielt wie kraftvoll wirkt, verbindet Rohmaterialien mit emotionaler Ausstrahlung. Werke wie ihr bauchiges „Gummy Sofa“, das 2023 vorgestellt wurde, erforschen Komfort als Form und stellen mit weichen, skulpturalen Silhouetten die Starrheit traditioneller Polstermöbel in Frage. Toogoods Arbeiten, die häufig in Galerien und im Gastgewerbe zu sehen sind, wecken taktile Neugier und vermitteln ein Gefühl der Bodenständigkeit, das das kommerzielle Design dazu anregt, sowohl Gefühl als auch Funktion zu vereinen.



„Gummy Sofa“ (Mitte) und „Roly-Poly Chair“ (rechts) von Faye Toogood.
Lange bevor der Begriff „nutzerzentriertes Design“ in unseren Sprachgebrauch Einzug hielt, war Eileen Gray bereits eine Vorreiterin. Die in Irland geborene und in Paris lebende Designerin war Teil der von Männern dominierten modernistischen Bewegung, ging jedoch ihren eigenen Weg und stellte Komfort, Anpassungsfähigkeit und Emotionalität in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihr mittlerweile ikonischer Beistelltisch E-1027 war nicht nur funktional – er war ein radikaler Akt ergonomischer Fürsorge, vollständig anpassbar, um die Bewegungen und Bedürfnisse des Nutzers zu unterstützen. Indem sie Komfort und Anpassungsfähigkeit gegenüber der Starrheit des frühen modernistischen Designs in den Vordergrund stellte, ist er bis heute ein ikonisches Stück in Wohn- und Arbeitsräumen geblieben. Ihre offen gelebte Queerness und ihr unkonventioneller Karriereweg machten sie sowohl im Leben als auch in ihrer Arbeit zu einer stillen Revolutionärin.



Beistelltisch E-1027 (links) und Stuhl „Bibendum“ (Mitte) von Eileen Gray. Bildnachweis: Limobel.
Wenn wir zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückblicken, war Elsie de Wolfe eine Pionierin, die die Innenarchitektur revolutionierte und weithin als die weltweit erste professionelle Innenarchitektin gilt. Sie wandte sich von den dunklen, schweren Stilen der viktorianischen Ära ab und brachte mit Pastelltönen, Chintz und Gemütlichkeit Leichtigkeit, Optimismus und Weiblichkeit in die Räume. Sowohl ihre offene Beziehung zu Elisabeth Marbury als auch ihre mutigen beruflichen Entscheidungen widersetzten sich den Konventionen ihrer Zeit und legten den Grundstein für die heutigen, auf Wohlbefinden ausgerichteten und von Gastfreundschaft geprägten Umgebungen.


Bildnachweis: Interiors & Icons.
Zu guter Letzt ist Sophie Collé eine queere französische Designerin, deren Arbeit Farbe, Verspieltheit und die Kraft, Design nicht allzu ernst zu nehmen, zelebriert. Ihre geschwungenen, handgefertigten Möbel und skulpturalen Objekte durchbrechen die Strenge moderner Innenräume. Collés Ansatz konzentriert sich auf emotionalen Ausdruck und Zugänglichkeit, wodurch ihre Werke besonders gut in kreativen, gastgewerblichen und hybriden Arbeitsumgebungen ankommen, die nach Individualität verlangen.



Pflanzenständer (links) und Pasta-Hocker (rechts) von Sophie Collé. Bildnachweis: sophiecolledesign.com, domino.com.
In diesem Pride-Monat feiern wir die erzielten Fortschritte und setzen uns weiterhin für eine Designbranche ein, in der jeder – unabhängig von seiner Identität – die Freiheit hat, kreativ zu sein, Verantwortung zu übernehmen und dazuzugehören.