Das diesjährige Motto der „3daysofdesign“, „Keep It Real“, war ein Aufruf, Authentizität vor Ästhetik und Substanz vor Äußerlichkeiten zu stellen. Es ermutigte die Designwelt, sowohl im Schaffensprozess als auch im Ausdruck menschlich, originell und ehrlich zu bleiben. Mitglieder des Tsunami-Axis-Teams reisten nach Kopenhagen, um das Event hautnah mitzuerleben, und dies sind die Erkenntnisse, die sie mitgebracht haben.

„Reflexionen in der Natur“ – Eine Hommage an handwerkliches Können mit Lucy Robertson, Vertriebsleiterin

Die Installation „Grounded in Nature“ von Muutobestand aus Bänken aus poliertem Stahl, in denen sich die umgebende Natur, der Himmel und das eigene Spiegelbild widerspiegelten. Dies regte zu einem Moment der Besinnung an – sowohl auf die Umwelt als auch auf uns selbst – und griff damit die Erkenntnis von WGSN auf, dass wir kulturell stark auf unser Selbstbild fixiert sind. Das Thema der Reflexion zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung und kam in metallischen Oberflächen, Retro-Akzenten und kontrastierenden Farbtönen zum Ausdruck, die zu stiller Flucht aus dem Alltag einluden.

Die Installation „Grounded in Nature“ von Muuto mit der Bank „Dream View“.

„Reflektierende Oberflächen standen im Mittelpunkt der Gespräche, gefolgt von mit Accessoires ausgestatteten, detailreichen Räumen und einer Hommage an handwerkliches Können.“

Mir fiel auch ein Wandel im Styling auf. HAY und Normann Copenhagen setzten auf Accessoires und gestalteten Räume mit einem 360-Grad-Blick. Es wirkte wie ein durchdachterer, bewussterer Ansatz, bei dem jedes Detail bewusst gewählt war und jedes Objekt Teil einer vielschichtigen, lebendigen Geschichte war.

Auch die Würdigung handwerklicher Kunst hat mich beeindruckt. Bei Carl Hansen & Søn haben wir die Holzbearbeitungswerkzeuge selbst ausprobiert und waren wirklich beeindruckt von dem Können und dem Aufwand, der hinter jedem einzelnen Stück steckt – etwas, das man leicht übersieht. Das hat mir eindringlich vor Augen geführt, wie wichtig die menschliche Note beim Möbelbau ist und wie wichtig es ist, diese Fertigkeiten auch heute noch zu bewahren.


Traditionsstücke mit Ben Dunn, Designer

Ein Trend, der mir aufgefallen ist, war die Art und Weise, wie Marken klassische Designs wieder aufleben lassen. Ein Beispiel dafür ist der Stuhl „PK23“ von Fritz Hansen, der Poul Kjærholms Entwürfe aus dem Jahr 1954 wieder zum Leben erweckt. Der neu aufgelegte Stuhl fügte sich nahtlos in die neuen Kollektionen ein und zeigte damit, wie zeitloses Design auch heute noch relevant ist. Manchmal reicht schon eine subtile Neugestaltung, ein neues Material oder eine Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

Stuhl „PK23“ von Fritz Hansen.

„Marken setzen verstärkt auf klassische Modelle und verleihen ihnen einen neuen Touch mit zeitgemäßer Relevanz.“

Das ist eine erfrischende Abkehr vom ständigen Streben nach Neuem, das zudem auch einen Nachhaltigkeitsaspekt beinhaltet. Anstatt endlos neue Produkte auf den Markt zu bringen, setzen Marken auf langlebige Designs und ermutigen die Menschen, in Stücke zu investieren, an denen sie jahrzehntelang Freude haben werden.

Ich war zum ersten Mal bei „3daysofdesign“, und obwohl es zahlreiche herausragende Momente gab, hat mich besonders beeindruckt, die Produkte in der Atmosphäre traditioneller dänischer Stadthäuser erleben zu dürfen. Showrooms wie &Tradition und Audo Copenhagen haben durch ihre Gestaltung und Zusammenstellung die skandinavische Wohnästhetik zum Leben erweckt. Die Möglichkeit, die Stücke selbst in die Hand zu nehmen, die Materialien zu fühlen und die Handwerkskunst aus nächster Nähe zu betrachten, hat meine Wertschätzung auf eine ganz neue Ebene gehoben.


Der Einfluss der Natur mit Arianna Goldsborough, Senior-Designerin

Mir ist aufgefallen, dass florale Motive und natürliche Einflüsse in diesem Jahr besonders stark im Vordergrund stehen – eine subtile Anspielung auf unser wachsendes Umweltbewusstsein und bewusste Gestaltungsentscheidungen. Bei der Gestaltung von Kundenräumen legen wir größeren Wert auf das Wohlbefinden, um ruhige, harmonische Räume zu schaffen, in denen der Einfluss der Natur eine zentrale Rolle spielt.

„Natur, Blumenmotive und kräftige Farben setzten ein selbstbewusstes Statement und spiegelten das Bewusstsein für unsere natürliche Umwelt wider.“

Ein weiterer Trend, der mir aufgefallen ist, ist die Verwendung von Aubergine. Als einer meiner persönlichen Favoriten verleiht dieser satte, tiefe Farbton Eleganz und zurückhaltende Raffinesse und verleiht Möbeln gleichzeitig einen markanten, zeitgemäßen Touch. Dieser luxuriöse Violettton tauchte bei Polstermöbeln, Marmoroberflächen, auffälligen Stühlen und Akzentstücken auf.

Ein besonderes Möbel-Highlight war das Sofa „Aarhus“ von ARDE für BoConcept. Optisch beeindruckend und durchdacht gestaltet, spiegelt es perfekt wider, was wir von modernen Empfangs- oder Gemeinschaftsbereichen erwarten – klare Linien, hohen Sitzkomfort und eine einladende Ausstrahlung. Entworfen von einem dänischen Designer mit Blick auf Flexibilität und Nachhaltigkeit, ist jedes Teil des Sofas austauschbar, was dazu beiträgt, seine Lebensdauer zu verlängern und Abfall zu reduzieren. Dank einer Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten passt es sich mühelos an unterschiedlichste Räume an, sei es ein entspannter Pausenbereich oder eine elegante Empfangszone.


Eine schaumfreie Zukunft mit James Martin, Senior Consultant

Marken wie +Halle und HAY waren Vorreiter mit Sesseln, Loungemöbeln und Esszimmerstühlen, die aus Metallgestellen bestehen und mit Netzgewebe oder nachhaltigen Stoffen bezogen sind. Diese Designs bieten Komfort, ohne Abstriche bei der Nachhaltigkeit zu machen – sie greifen die Ergonomie von Bürostühlen auf, wurden jedoch für entspanntere, gesellige Umgebungen neu interpretiert.

+Halles „Shrink Lounge Chair“.

„Es gab einen deutlichen Trend hin zu schaumstofffreien Sitzmöbeln, was einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiges Design darstellt.“

+Der „Shrink Lounge Chair“ von Halle zeichnete sich durch seinen minimalen Bauteilumfang und seine vollständig schaumstofffreie Konstruktion aus und signalisierte damit einen Schritt hin zu einer kreislauforientierteren, effizienteren Fertigung. Der neue „O2 Lounge Chair“ von HAY, entworfen von Jonas Forsman, folgte diesem Beispiel und setzt auf ein Stahlgestell sowie einen körpernah geformten Stoffbezug, der nur eine dünne Schaumstoffschicht erfordert. Beide Möbelstücke stellen traditionelle Normen im Polsterbereich in Frage, ohne dabei den Komfort aus den Augen zu verlieren.

Wie Normann Copenhagen es formulierte: „Wir haben den Punkt hinter uns gelassen, an dem nachhaltig noch gleichbedeutend mit teurer war. Das ist die neue Norm, und sie ist erschwinglicher.“ Diese Einstellung wird bei Kunden großen Anklang finden, die verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen möchten, ohne dabei Abstriche bei der Ästhetik oder beim Budget zu machen.

Wir beobachten zudem einen deutlichen Wunsch, den Arbeitsplatz durch eine bewusstere Gestaltung des Raums aufzuwerten. Es geht nicht mehr nur um Funktionalität, sondern darum, Umgebungen zu schaffen, die sich so einladend und durchdacht gestaltet anfühlen wie ein Hotel oder ein Zuhause. Und branchenweit reagieren wir darauf.


Naturmaterialien mit Sophie Mattacks, Kundenbetreuerin für Firmenkunden

Ein zentrales Thema bei 3daysofdesign war der Fokus auf natürliche Materialien, von Stein und Marmor über Massivholz bis hin zu Verbundwerkstoffen auf Papierbasis. Diese zeitlosen Elemente signalisieren eine bewusste Abkehr von synthetischen Alternativen zugunsten von Designs, die sowohl nachhaltig als auch langlebig sind. In vielen Kollektionen wurden diese Materialien eingesetzt, um die Grenze zwischen Innen- und Außenbereich zu verwischen und so Räume zu schaffen, die sich warm, geerdet und mit der Natur verbunden anfühlen.

Fredericas „Pato Paper Chair“ aus PaperShell

„Die Lieferanten legten besonderen Wert auf die Verwendung natürlicher Materialien wie Marmor, Massivholz und sogar Papier.“

Ein persönliches Highlight war der „Pato Paper Chair“ von Fredericia. Hergestellt aus „PaperShell“ – einem fossilfreien, vollständig biobasierten Zellulose-Verbundwerkstoff, der in Schweden geformt wird – ist er ein stapelbarer Stuhl, der sowohl ästhetischen als auch ökologischen Wert bietet. Die hochwertige Optik und Haptik sind beeindruckend, doch was wirklich hervorstach, war die Idee dahinter. Der aus 32 Lagen FSC-zertifiziertem Kraftpapier gefertigte Stuhl kann am Ende seiner Lebensdauer zu Biokohle verarbeitet werden – wodurch Kohlenstoff gebunden, der Boden angereichert und ein potenziell kohlenstoffnegativer Lebenszyklus unterstützt wird.

Es ist eine durchdachte, elegante Antwort auf die Herausforderungen der Nachhaltigkeit und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Materialien eine aussagekräftige Geschichte erzählen können.


Ehrlich bleiben

„3daysofdesign“ hat uns daran erinnert, dass echte Innovation dann entsteht, wenn Design auf Authentizität und Menschlichkeit basiert. Durch den Einsatz natürlicher, nachhaltiger Materialien und durchdachter Handwerkskunst schaffen Marken Produkte, die nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch dazu beitragen, dass die Räume, in denen sie zum Einsatz kommen, die Menschen unterstützen, die dort leben und arbeiten.